Blick Zum Horizont


On a mission to Berlin - Einblicke und Ausblicke auf der InDialog 2013

17.11.2013 von Sabine Breit

„Mapping the Field of Community Interpreting – Community Interpreting Heute“ lautete der Titel der Konferenz InDialog. Unter dieser Überschrift setzten sich Praktiker (d. h. Dolmetscher und Übersetzer) und Forscher der Angewandten Sprachwissenschaft sowie Nutzer der Leistungen und Vertreter verwandter Disziplinen mit den unterschiedlichsten Aspekten der interkulturellen Kommunikation auseinander. Wie etwa Remote Interpreting, E-Learning-Tools, Kommunikationsstrategien in unterschiedlichen Settings und vieles mehr.

Drei Dinge wollte ich am 15. November in Berlin erledigen:

1) Neues über Systeme, Prozesse und Erfahrungen im Bereich "Remote Communication" erfahren, um dies gegebenenfalls zur Verfeinerung und Erweiterung unseres Angebots in Sachen barrierefreie Echtzeitkommunikation und insbesondere unseres „Big M-Prozesses“ (siehe Wunderwerk) einzusetzen.
2) Informationen, Erkenntnisse und Erfahrungen in Sachen „Community Interpreting“ sammeln, die ich für die PATOPIA NGO mit nach Kenia nehmen kann.
3) Meine Lieblingscurrywurst bei Bier’s im S-Bahnhof Friedrichstraße essen (sehr zu empfehlen – ohne Pelle, mit Pommes!)

Und ich darf sagen: Auf ganzer Linie „Mission accomplished“ - und noch viel mehr.

1) In Sachen „Remote Communication“ wurde mir bestätigt, dass die besten Ergebnisse tatsächlich immer dann erzielt werden, wenn die bestehenden Tools und Systeme direkt von den eigentlichen Nutzern eingesetzt werden, d. h. von den Unternehmenskunden und den für sie arbeitenden Dienstleistern - Dolmetscher, Real Time Reporter, Kommunikationstechniker etc. - statt die Abwicklung über fachfremde Drittanbieter vorzunehmen.

Für den bestmöglichen Erfolg sollte im Vorfeld gemeinsam überlegt werden, ob die verfügbare Remote-Infrastruktur (Telefonkonferenz/Videokonferenz/ Internetübertragung etc.) insbesondere mit Blick auf Kommunikationsziel, Qualität und Vertraulichkeit für den anstehenden Anwendungsfall geeignet ist. Lässt sich z. B. eine kurze Routinebesprechung wunderbar remote abwickeln, kann es bei einem längeren Workshop eine Qual für alle Beteiligten sein. Entscheidet man sich für eine Remote-Lösung, ist es angeraten, einen klaren Prozess für die Einbindung aller Beteiligten für den spezifischen Anwendungsfall zu definieren.

Und damit dann nach sorgfältiger Planung alles gelingt, braucht es was? Ich dachte bis dato, es wäre zu banal, um es zu erwähnen. Aber wie Erfahrungen aus unterschiedlichen europäischen Ländern zeigen, ist es das offensichtlich nicht: Damit das Werk trefflich gelingt, braucht es in allen Gewerken hoch qualifizierte und professionelle Dienstleister. Nicht nur, weil die Qualität ihrer Arbeit schlichtweg besser ist, sondern weil sie sich aufgrund ihrer umfassenden Qualifikation und Erfahrung schneller und besser auf Unvorhergesehenes einstellen können, was in einem "Remote-Szenario“ selbst bei der leistungsfähigsten Infrastruktur immer vorkommen kann.

Ich freue mich, in diesem Zusammenhang sehr über den Kontakt zur University of Surrey, die in diesem Bereich forscht und bereits sehr interessante Ergebnisse veröffentlicht hat. Weitere interessante Einsichten sind zu erwarten. Stay tuned…(-:

2) Auch in Sachen „Community Interpreting“ bin ich mehr als fündig geworden. Es war interessant zu hören, vor welch vielfältige Herausforderungen Dolmetscher „in the field“, d. h. etwa in Krisengebieten, gestellt sind und wie ihre Unabhängigkeit, Neutralität und Professionalität dort immer wieder auf die Probe gestellt werden. Besonders freue ich mich hier über den Kontakt zur Lebanese University in Beirut und die Aussicht auf einen zukünftigen Austausch zu diesem Thema.

3) Und die Currywurst bei Bier’s? Die war wieder extrem lecker. Sehr zu empfehlen. Friedrichstraße 142, direkt unter den Gleisen beim S-Bahnhof Friedrichstraße…

Allein dafür hätte sich die Reise nach Berlin schon gelohnt. Ganz besonders wertvoll wurde sie aber durch die vielen unerwarteten neuen Anregungen und Tools, die in Zukunft auch unser Denkwerk bereichern sollen: Ob es sich um Analyse-Programme handelt, die für Assessments zum Einsatz kommen könnten, um Schulungselemente aus dem Bereich „Applied Drama“, mit denen Gesprächssituationen völlig neu erlebbar gemacht werden, oder um faszinierende interaktive E-Learning Tools, mit denen Kommunikationssituationen mit Hilfe von Avataren in vielfältiger Weise simuliert und ausgewertet werden können, was Seminarteilnehmern die oftmals als unangenehm empfundenen Rollenspiele im Schulungsraum ersparen könnte.


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